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Sammlung: Als junge Frau im 1. Weltkrieg

Kriegserinnerungen 1914-1917 (13)

1922, Grete Gräper

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Eines Mittags fanden wir mitten in unserem Quartier das Gepäck eines Offiziers. Die Wirtin gab an, der Herr hätte von der Kommandantur das Quartier angewiesen erhalten. Doch die Sache lag anders. Die Juden wollten von der Einquartierung Vorteile haben. Verschiedentlich hatten sie uns schon gefragt, ob wir nicht einen Schein ausstellen lassen könnten, worauf ihre Pferde geschont würden. Wir waren dazu nicht in der Lage, hätten es aber auch sonst nicht getan. Wir merkten, der Inspektor war den Juden ein angenehmerer Quartiergast und wichen lieber, als uns täglichen Unannehmlichkeiten auszusetzen.

Nach einem Quartier suchend, zogen wir durch die Stadt und landeten in Kaffeegesellschaft von polnischen Damen. Eine Dame schien sehr erfreut, Schwestern als Quartiergast zu bekommen; sie bat uns, in ihr Haus zu ziehen. Überfreundlich wurden wir begrüßt, mittags und abends waren wir umschwärmt von der ganzen Familie, an Ruhe war nie zu denken. Nachts schliefen wir mit der Frau und den Töchtern in einem Schlafzimmer, ich in einem Kinderbett, in dem ich nur zusammengerollt liegen konnte, meine Freundin auf einem ausziehbaren Stuhl.

Ich arbeitete in der Handelsschule, die als Lazarett eingerichtet worden war. Das Lazarett lag außerhalb der Stadt, gegenüber dem Flugplatz. Der Winter 1914 – 1915 war sehr streng, der Schnee lag sehr hoch. Wenn wir morgens in Lazarett gingen, war noch nicht gefegt, tief sackten wir immer in den Schnee.

In der Handelsschule hatte ich den Saal 1a mit Verwundeten. Meine Station war sehr klein, doch mir sehr lieb. Später wurde mein Saal zur Typhusbeobachtungsstation gemacht. Unser Quartier mussten wir wieder wechseln. Diesmal gingen wir zum Quartierbüro und ließen uns einen Schein ausstellen. Wieder gerieten wir zu Juden. Das Zimmer war dunkel, doch zwei Betten, groß genug, standen in dem Raum und die Aussicht auf eine gute Lagerstätte ließ uns das Quartier wählen.

Nach und nach entdeckten wir allerlei Mängel. Die Sauberkeit ließ sehr viel zu wünschen übrig, das Zimmer war Durchgangszimmer, sodass man sich nie sicher fühlte. Nachts wurde auf dem Hof eifrig gearbeitet. Der Jude schien nachts Sachen zu verladen, gewiss wurde Schmuggel getrieben. Als ich eines Morgens zufällig unter das Bett sah, stand da eine ausgenommene Gans.

Doch zu Zweien erträgt sich alles, man darf nur den Humor nicht verlieren. Da wurde die eine Schwester krank. Sie kam ins Lazarett. Als ich abends in mein Quartier kam, fand ich in meinem Judenbett vier Judenkinder. Das war zuviel! Und als die Frau die Kinder auf meine Bitte nicht fortnahm, da zog ich kurz entschlossen aus. Ich übernachtete auf dem Strohsack meiner Schwester, die im Amtsgericht, auch als Lazarett eingerichtet, Nachtwache hatte.

 

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Verwandte Suchbegriffe

WK1, WK, 1, erster, Weltkrieg, junge, Frau, Sanitäterin, Rotes, Kreuz, grete, gräper, Einquartierung, latent, antisemitismus, lazarett

Einsteller: hennygret

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